Vereinsgeschichte

(verfasst von Fred Höfele)

Wer die Geschichte der Schützen und ihrer Gesellschaften formulieren will, begibt sich in ein weites Gebiet, dessen gewissenhafte Darstellung viele Komponenten der Ungewissheit enthalten muss. Einen dokumentarischen Nachweis über Gründungsjahre alter Schützengesellschaften zu erbringen, dürfte äußerst schwer sein. Es gibt kaum eine von den alten Schützengilden, die den Tag ihrer Gründung mit Bestimmtheit nachweisen können.

Im Landesarchiv Karlsruhe werden Urkunden aufbewahrt, die eine Schützengesellschaft zu Steinbach bereits 1739 erwähnen. Zeugnis davon gibt eine Anordnung des damaligen Landesherrn, Markgraf Karl Friedrich (1738-1811).

"Wir wollen der Suppl. Schützengesellschaft zu Steinbach die unterthänigst angesuchten 12 Gulden für dies mahl wieder gnedigst accordieret, und anbey gnedigst erlaubt haben, ein halb fuder Wein frei auszuschenken - welch gnedigst accordierten 12 Gulden vom Ambt Steinbach zu bezahlen syndt." (in gekürzter Form wiedergegeben).

Aus dem Jahr 1745 ist ein Bittgesuch erhalten, dessen verkürzter Inhalt in verschnörkeltem Amtdeutsch jener Zeit folgendermaßen lautet:

"Allergnedigster Markgraff - gnedigster Fürst und Herr - Euer hochgeb. fürstl. Durchlaucht wirdt gnedigst erinnerlich seyn, wie wir gleich anderen örther höchstdero fürstl Markgraffschaft eine Schützenkompanie ausgerichtet, jedoch bis dahin keine Schützenordnung gehabt haben. Gleichwie uns wegen Abgang derselben viele Verdrüßlichkeiten und Unordnungen entstanden, also nehmen wir die respectuosest Freyheit, Eure fürstl. Durchlaucht andurch untherthänigst abzuflehen,höchstdieselbe uns untherthänigsten Supplicanten die nemliche Schützenordnung welche andere örthererhalten, mildfürstlich geruhen möchten. In Anhoffnung gnedigster Willfahrt mit untherthänigstem Respect beharren Euer fürstl. Durchlaucht treu gehorsambst sämbtliche Schützen zu Steinbach."

Leider fehlen fortlaufende Unterlagen, so dass nicht mehr feststellbar ist, inwieweit diese Schützengesellschaft gezwungen war ihrer Tätigkeit aufgrund politischer oder wirtschaftlicher Ereignisse einzustellen.
Am 27. November 1863 aber, es war die Zeit Bismarks, des Deutschen Bundens und der sich immer deutlicher abzeichnenden Konfrontation zwischen österreich und Preußen, versammelten sich Bürger aus Steinbach und Neuweier und bildeten ein Komitee, mit dem Auftrag, wieder einen Schützenverein zu gründen. Am 9. Dezember 1863 wurde als Vorstand des neu gegründeten Schützenvereins Franz Schlosser gewählt. Ausschussmitglieder waren G. König und A. Wurz, Schriftführer Alois Kühn, Kassier August Reiß. Der Verein erhielt den Namen:
"Schützen Gesellschaft Steinbach Neuweyer". Ob es die Lust am Schießen war, die die 12 Herren und eine Dame zur Gründung des Vereins veranlasst hat, oder ob sie vom Wunsch getrieben wurden, bei einer möglichen preußischen Invasion die man 14 Jahre zuvor (1849) schon einmal erlebt hatte, entsprechend gerüstet zu sein - darüber gibt es leider keine Unterlagen.

Am 12. Februar 1864 wurden die Statuten des Vereins vom großherzoglischen Bezirksamt Bühl genehmigt, mit der Auflage über die Schießstätte einen Plan vorzulegen. Zum ersten Treffpunkt wählten sie den Gasthof "Sonne" in Steinbach. In den Statuten war festgelegt, dass jedes Mitglied welches aus dem Verein austritt auch noch seinen Anteil an den noch vorhandenen Schulden bezahlen muss. Am 28. September 1864 wurde beschlossen, den alten Schießplatz aufzugeben, der vermutlich von einquartierten preußischen Husaren 1849 im Mührig angelegt worden war. Es wurde künftig der vom Bezirksamt bereits genehmigte Platz am Schneckengarten in Neuweier benützt. Hier errichtete man eine Schießanlage mit einer umbauten Fläche von 20 Fuß Länge und 17 Fuß Breite. Auf einem Steinsockel wurden Riegelwände mit einer Bretterverschalung erstellt und das Dach mit Ziegeln gedeckt. Das Holz des alten Schießstandes wurde mit verwendet. über die Finanzierung dieses Schießplatzes gibt es keine Unterlagen, da aber der damalige Schützenverein, betrachtet man die Mitgliederlisten, ein eher elitäres Häuflein von Adligen, Offizieren, Kaufleuten, ärzten und Handwerker gewesen ist, Arbeiter und Bauern sucht man in den Mitgliederlisten vergeblich, dürfte das Finanzproblem nicht unlösbar gewesen sein.

Aus dieser Zeit ist eine Seite des Protokollbuchs im Schützenhaus erhalten. Ebenso die alte Fahne, die im Jahre 1866 von Hofsticker Heimertinger in Karlsruhe angefertigt wurde. Die Fahnenstange sollte aus drei Teilen bestehen und abschraubbar sein. Die Fahnenspitze soll einen Greif, das badische Wappen haltend, darstellen; auch soll ein "Etui" dazu gefertigt werden, welches mit Riemen versehen und leicht tragbar ist.
Am 15. Mai 1866 fand die feierliche überreichung der Fahne an den Verein statt. Allerdings sollte die neue Fahne nur noch knapp drei Jahre wehen. Zum badischen Landesschützenfest am 4. August 1867 in Karlsruhe waren sämtliche Mitglieder mit der neuen Fahne anwesend. Die Fahne kehrte mit dem Fahnenträger wieder am 11. August von Karlsruhe zurück und wurde von der ganzen Schützengesellschaft am Steinbacher Bahnhof abgeholt. Am 4. April 1868 bewilligte die Versammlung eine Ehrengabe im Werte von 25 Gulden für das Kreisschießen in Baden. Mit Fahne und Gewehr zogen die Schützen in "corpore" (gemeinsam) zum Fest in Baden. Im Juli 1869 stellte die Generalversammlung den Antrag, den Schießstand zu versteigern. Die vorhandenen Schulden von 265 Gulden wurden auf jedes Mitglied umgelegt. 34 ordentliche Mitglieder waren beim Verein noch eingetragen, sodass jedes Vereinsmitglied noch 7 Gulden 48 Kreuzer bezahlen musste.
Als letzter Oberschützenmeister wird G. Koenitz aus Neuweier erwähnt. Warum der Schießstand versteigert werden musste ist nicht bekannt. Vielleicht sah man nach dem Krieg 1866 keine Notwendigkeit mehr sich im Schießen zu üben. Fest steht aber nach heutiger Kenntnis, dass alle Schützenaktivitäten im Verein ruhten. Eigentlich ruhten sie sehr lange: 70er Krieg, Reichsgründung, Kaiserreich und 1. Weltkrieg, alles Stationen, die in keiner Chronik erwähnt werden.

Erst am 14. Mai 1920 teilte Herr Fritz Kühn, als einstweiliger Vorsitzender des Schützenvereins, dem Gemeinderat mit, "dass der Schützenverein wie in früheren Jahren an einem geschützten Schießstand durch seine Mitglieder schießen lässt." Die Genehmigung hierzu, sowie zur Benützung des bei den Ziegelwerken Hettler errichteten Schießstandes wurde vom Bezirksamt Bühl am 20. Mai 1920 erteilt.

Nach 1933 verliert sich dann wieder das Vereinsgeschehen in Steinbach. Ein Teil der Vereinsmitglieder, so viel ist bekannt, schloss sich dem im Jahre 1933 in Neuweier gegründeten Schützenverein "Heiligenstein" an.
Zur Schießstanderöffnung in Balg am 6. September 1936, fand auch das große Kreisschießen des Abschnitts Süd im Schützenkreis Murg seinen Abschluss. In der Ergebnisliste findet sich der Name Fleischmann aus Steinbach. Er belegte mit 69 Ringen den 11. Platz. Anzunehmen ist, dass Fleischmann für Neuweier schoss, das mit dem sechsten Platz im Gruppenschießen abschloss.

Am 5. Mai 1956, nach Aufhebung des allierten Kontrollratgesetzes Nr.2 von 1945, war es dann endlich wieder soweit. Insgesamt 30 schießsportbegeisterte Steinbacher trafen sich im Gasthaus "Zum Erwin" zur Wiedergründung des Schützenvereines, dem sie den Namen "Schützenverein Erwin Steinbach" gaben. Zum 1. Vorsitzenden wurde Fritz Eckerle gewählt. Die Gemeinde stellte Luftgewehre zur Verfügung. So konnten die übungsabende im "Erwin" beginnen, wo die Mitglieder in Gemeinschaftsarbeit einen übungsstand für Luftgewehre errichteten. Da auch damals schon galt, wer feste schießt muss auch Feste feiern, fand das erste Schützenfest in Steinbach bereits im September 1956 statt. In der Chronik heißt es, dass es ein voller Erfolg gewesen sei, denn vom Erlös dieses Festes konnte der Verein vier Zuganlagen und ein Luftgwehr kaufen. Die staatliche Sanktionierung erfolgte am 1. Januar 1957 mit der Eintragung ins Vereinsregister der Stadt Bühl. Das erste Königsschießen erfolgte am 30. Dezember 1957. Die Königsfeier wurde am Dreikönigstag, den 6. Januar 1958 abgehalten. Damit wurde eine Tradition begründet, die noch heute exakt eingehalten und befolgt wird. Erster Schützenkönig des wiedergegründeten Vereins wurde Helmut Brauer, Schützenkönigin Franziska Huck.

Anlässlich der Suche nach geeigneten Schaustücken für die Ausstellung "1200 Jahre Steinbach - 700 Jahre Stadtrecht" wurde 1958 die alte Fahne der ehemaligen Schützen Gesellschaft Steinbach - Neuweier wiedergefunden.
Die schön bestickte seidene Fahne war noch gut erhalten, da sie in einem hölzernen Kasten untergebracht war, der gleichzeitig auch die Fahnenspitze - einen Greif, das badische Wappen haltend -und die dreifach zusammensteckbare, schön gearbeitete Fahnenstange enthielt. In hochherziger Weise schenkte die seitherige Eigentümerin die Fahne dem wiedergegründetem Verein.

Die weitere Entwicklung des Vereins sah dann so aus:
Das bisherige Domizil wurde aufgegeben und ab Februar 1959 wurden die Schießbahnen im Nebengebäude des Gasthauses "Sternen", für eine Jahrespacht von 30,00 DM, installiert. Noch im selben Jahr wurde Fritz Eckerle zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Neuer Oberschützenmeister wurde Heinz Mayer, unter dessen ägide der Verein sehr bedeutende Fortschritte machen sollte.

Da der bisherige Vereinsname nicht mehr geeignet erschien, ist dieser ab 1961 in "Schützenvereinigung von 1863 Steinbach" geändert worden. Damit sollte zum Ausdruck gebracht werden, dass die Tradition des Schießsports erwiesenermaßen zurückreicht bis auf die ersten Anfänge organisierter Schießübungen.

1963 hat der Sternenwirt Eigenbedarf für den vom Verein genutzten Raum angemeldet. Wieder stand der Verein ohne geeignete Räume dar und schon musste der Vorstand wieder neue Räumlichkeiten suchen. Diese boten sich in der Form des Gewölbekellers der ehemaligen Mälzerei in der Grabenstraße an. Viele fleißige Hände ermöglichten es, dass bereits im Dezember 1965 wieder Schießwettbewerbe stattfinden konnten. Schon damals konnten sich Steinbacher Schützen in die Siegerlisten des Schützenkreises Hohenbaden, dem man damals angehörte, eintragen.

1964, vom 1. bis 3. August, konnte das 100jährige Bestehen der Schützenvereinigung gefeiert werden. Eine starke Abordnung von Tiroler Schützen gab dem Fest ein ganz besonderes Flair. Bürgermeister und Festpräsident Wäldele erinnerte in seinem Grußwort an die Gemeinschaft und das Gesellschaftsbewußtsein, dem Geschehen und der Geschichte der Stadt Steinbach. Grüße brachte der 1. Landesschützenmeister Wolfgang Neuß, der die 100jährige Tradition der Schützenvereinigung hervorhob und weiter "Glück und Wohle" dem Verein wünschte.

Das neue Schießlokal in der Grabenstraße war inzwischen für die Wettkämpfe viel zu klein geworden. 1972 tauchte dann zum ersten Mal das Wort "Schützenhaus-Neubau" auf. Woher aber Geld und Gelände nehmen?
Immerhin sollte es ein Schützenhaus werden, das allen Anforderungen des Schießsports gerecht wird. Nicht nur eine Luftgewehr- sondern auch eine Kleinkaliberanlage sowie einen Pistolenstand sollte die neue Anlage aufweisen. Dieser Idee standen nicht nur der Oberschützenmeister Heinz Meyer, sondern alle Mitglieder wohlwollend gegenüber. Durch Geländetausch konnte im Kolbenacker ein für diese Ansprüche taugliches Gelände gefunden werden.

Die finanziellen Verhältnisse aber waren alles andere als rosig. Es blieben nur noch die für den Zusammenhalt und Kameradschaft fördernden Ideale übrig.

An dieser Stelle kann nicht genug betont werden, dass es viele Mitglieder waren, die mit ihrem Vermögen bürgten und so die Kredit- und Zahlungsfähigkeit des aufstrebenden Vereins ermöglichten. Aus dem Fond von Lotto- und Toto- Mitteln waren 50.000 Dm vom Badischen Sportbund zugesagt. Im Herbst des Jahres 1972 wurde noch mit dem Erdaushub begonnen. über die Wintermonate konnte das Verlegen der Wasserleitung und des Stromkabels bewältigt werden. Im Protokollbuch steht dazu: "Durch den unermüdlichen Einsatz des Schützenbruders Ottmar Friedrich wurden die Vorbereitungen vorangetrieben." Im Frühjahr 1973 konnte mit dem eigentlichen Bau des Schützenhauses begonnen werden. Das gesamte Vorhaben war nur lösbar durch den besonderen Einsatz aller Aktiven, sowie durch Geld- und Sachspenden der Passiven, der Bevölkerung, der örtlichen Bauunternehmungen und durch einen Zuschuss der ehemaligen Stadt Steinbach. Am 26. Februar 1974 konnte bereits das Richtfest gefeiert werden. Der Bau war zügig vorangekommen, aber mit der Fertigstellung des Rohbaus begannen erst die eigentlichen Arbeiten. Innenausbau, technische Einrichtungen, Abstimmung mit dem Sicherheitsbeauftragten des Regierungsbezirkes für die Sicherheitsanlagen in den Luft- und KK-Gewehrständen, waren nunmehr vordringlichste Arbeiten. Mitte 1975 waren die letzten Baumaßnahmen für den KK- und den Pistolenstand fertig. Mit der letzten fälligen Zuschussrate seitens des Sportbundes war die lezte Finanzierungslücke geschlossen. Im Luftgewehrstand konnte bereits eifrig trainiert werden, denn dafür war die sicherheitstechnische Abnahme bereits erfolgt. Die Abnahme des Kleinkaliberstandes machte ebenfalls riesige Fortschritte und konnte bereits am 11. Oktober 1978 durch die zuständigen Sachbeamten, ohne Reklamationen, abgenommen werden. 10 elektronisch gesteuerte Pistolenstände waren derzeit die modernste Anlage aller Schützenkreise und -vereine. Dazu kamen 8 moderne Kleinkaliberstände und 10 Luftgewehr- und Luftpistolenstände.
Eine der modernsten Anlagen im ganzen Schützenkreis war nun, wenn man von Kleinigkeiten absieht, nahezu fertiggestellt.

Das Lob für diese großartige Leistung sollte man aber nicht vergessen und danken allen, die mitgeholfen haben in jahrelanger Arbeit dieses Werk zu vollenden. Oberschützenmeister Heinz Mayer und Ottmar Friedrich waren wohl diejenigen, die mit noch vielen ungenannten Mitgliedern den Schützenhausneubau im wesentlichen vorantrieben.

Der eigentliche Zweck, das sportliche Schießen, stand nunmehr im Vordergrund. Steinbacher Schützen, seien es Gewehr- oder Pistoleschützen, tauchten wieder in den Siegerlisten von Kreis-, Bezirks- und Landesmeisterschaften auf.

Nach über 20jähriger Tätigkeit von Heinz Mayer als Oberschützenmeister der Schützenvereinigung Steinbach, wurde er am 6. März 1981 in diesem Amt von Fred Höfele abgelöst. Als 2. Vorsitzender blieb er aber mit seiner vieljährigen Erfahrung dem Verein erhalten.
Vorrang für den neuen Vorsitzenden hatten die noch aussstehende Außenarbeiten rund ums neue Schützenhaus, die auch nach und nach aufgearbeitet wurden. Nicht nur die Garageneinfahrt wurde mit Behaton belegt, sondern auch noch darüber eine feste Betondecke angebracht. Die Arbeit ging nie aus, es war immer etwas zu tun.

Das größte Fest, welches die Schützenvereinigung in den 1980er Jahren feierte, war das 125-jährige Bestehen des Vereins. Viel Vorarbeit war nötig bis am 8. August 1988 das Festbankett im Kolbenacker stattfinden konnte. Unter den Gratulanten waren der Oberbürgermeister Dr. Walter Carlein, der Ortschaftsrat Steinbach, Rektor Gerhard Nießen von der Hauptschule Steinbach, Kreisoberschützenmeister Rudolf Ziegler, der Südbadische Landesverband, der Schützenbezirk Nord, die Schützenvereine des Schützenkreises Bühl, die Vereine der Gemeinde Steinbach und viele andere. Von Ortsvorsteher Kurt Böhler erhielt OSM Fred Höfele die Meister-Erwin-Medaille als Anerkennung für besondere Erfolge und die errungene Landesmeisterschaft mit der Luftpistole, verbunden mit der Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft.

Im Jahre 1995 machte man sich ernsthafte Gedanken über den Zustand der alten Vereinsfahne. Der Seidenstoff zeigte große Risse und die Fahne konnte kaum mehr zu Schützenfesten mitgenommen werden, wollte man größere Schäden vermeiden. Nach längerem Suchen eines geeigneten Restaurators erhielt die Karlsruher Fahnenfabrik den Auftrag die Fahne zu restaurieren. Der Grundstoff musste vollkommen neu ersetzt werden. Die Traditionsstickerei, die man unbedingt erhalten wollte musste aus dem zerschliessenen Fahnenstoff entfernt und mit Hilfe einer maßstabsgetreuen Originalzeichnung auf den neuen Grundstoff übertragen und mit einem passenden Farbton wieder kunstvoll ausgestickt werden. Die verschiedensten Sticktechniken, Moosstickerei, Pailletenstickerei (goldende Metallplättchen) und die Kantillestickereien (kleine Röhrchen), wurden alle erhalten. Die interessanteste Seite der Fahne ist wohl die mit der Schützenscheibe.
Darunter sind zwei Perkussionsgewehre und ein Pulverhorn, eingerahmt von Eichenlaub und Palmzweigen. Unter der Schützenscheibe sind zwei Bänder in der traditionellen badischen Farbe: "Gelb-Rot".

Das Beachtenswerteste über dem gesamten Ensemble aber ist der Schützenhut. Darin wiederum ganz klein, fast versteckt, die Kokarde: "Schwarz- Rot- Gold.".
Schwarz-Rot-Gold, die Farben für Freiheit und Liberalität, das die Schützen, genauer gesagt die Schwarzen Jäger aus dem Freikorps von Lützow in den Freiheitskriegen ab 1813 trugen. Niemand wusste so recht Bescheid. Möglich wäre, dass die Schwarz-Rot-Goldene Kokarde ein versteckter Hinweis auf die durch Preußens Truppen erstickte Badische Revolution von 1848/49 sei, bei der ebenfalls die Farben Schwarz-Rot-Gold geführt wurden. Am wahrscheinlichsten ist jedoch, dass dies ein Hinweis ist auf den Ursprung und Herkunft, verbunden mit dem freiheitlichen Gedankengut der Jahre 1813 in den früheren Bürgerwehren und Schützenvereinen. Was die Festversammlung bei der Einweihung dieser Fahne im Jahre 1863 für Wünsche hatte wissen wir nicht. Fred Höfele wünschte jedenfalls: "dass sie als Symbol für die Identität des Vereins und als Zeichen gegen jegliches Obrigkeitsdenken allen nachfolgenden Generationen erhalten bleibt".

Die Leistungskurve der Steinbacher Schützen stieg stetig nach oben. Im Jahr 1996 konnten 22 Medaillen, darunter 9 goldene, bei verschiedenen Wettbewerben erzielt werden. Darunter auch eine für die Landesmeisterschaft von Rolf Fallert. Leider wurden diese Erfolge von der Klage eine Neubürgers über den vom Schützenhaus angeblich ausgehenden Lärm getrübt. Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen mussten ergriffen werden, um den Schießbetrieb wieder aufrecht zu erhalten und für zusätzlichen Lärmschutz gesorgt werden. Die Arbeiten zogen sich bis in Jahr 1997.

Viel Eigenarbeit war in den Jahren 1998 und 1999 erforderlich, um umfangreiche Renovierungen im Schützenhaus durchzuführen. Eine Schalldecke im Wirtschaftsraum und eine Lüftungsanlage wurden eingebaut. Die Kosten waren enorm. Kassier Ottmar Friedrich meinte: "Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen".

Am 19. März 2001 ging die ära Fred Höfele als OSM der Schützenvereinung Steinbach zu Ende. 20 Jahre als 1. Vorsitzender, in denen vieles geleistet wurde, waren genug. Jüngere Mitglieder sollten nun die Leitung des Vereines übernehmen. Lothar Wörner wurde nun zum 1. Vorsitzenden und Oberschützenmeister der Schützenvereinigung Steinbach gewählt.

Große Umbaumaßnahmen auf der gesamten Schießanlage standen an und mussten mit 100.000 DM veranschlagt werden. Die Umbauarbeiten an den Schießständen boten dazu noch die seltene Gelegenheit Dank auszudrücken: Der umgebaute Pistolenstand wurde nach Fred Höfele benannt und der 50-Meter-Stand trägt seither den Namen von Heinz Mayer. Gleichzeitig wurde Fred Höfele von Landesschützenmeister Peter Bleich mit der Medaille des Verbandes geehrt.

In der Generalversammlung vom 22. April 2002 wurde Fred Höfele, der langjährige Vorsitzende der Schützenvereinigung, zum Ehrenmitglied und Ehrenoberschützenmeister ernannt.

OSM Lothar Wörner betonte in dieser Jahreshauptversammlung, dass der Umbau des Schießstandes fast abgeschlossen ist. Im Schützenhaus kehrer nun wieder normale Trainingsmöglichkeiten ein. Wettkämpfe können ebenfalls wieder auf allen Anlagen stattfinden. Der Umbau der Schießanlage war nötig geworden, weil ein Sachverständiger Mängel festgestellt hatte, die sich auf Grund geänderter Gesetze und unterschiedlicher Auffassung ergeben hätten. Dafür habe der Steinbacher Schützenverin jetzt aber auch eine Anlage, die sich sehen lassen könne und für alle Arten von Schießwettbewerben zugelassen ist.